Zurück in der Schweiz – Der Grund

By Christian Grundlehner | Allgemein

Mai 13

Wir, Familie Grundlehner, sind wieder zurück in der flachländischen Schweiz.

Über die Gründe und wieso es so lange still war, auf unserem Blog und Social-Media Kanälen, erfährst du jetzt direkt aus erster Hand.

Schon eineinhalb Jahre ist es her

Ca. 1.5 Jahren haben wir nun auf der spanischen Insel Lanzarote gelebt. Die ersten Monate nach unserer Ankunft war unser Segelschiff LAYA weiterhin das Zuhause Nummer Eins. Bereits nach wenigen Wochen hatten wir einen Freundeskreis aufgebaut und die kanarische Insel lies uns nicht mehr gehen. In der Marina Arrecife leben einige Einheimische und Zugewanderte dauerhaft auf ihren Booten und bilden eine hilfsbereite und nette Community, wie eine grosse Familie.

Bereits nach einem Monat bemerkten wir, dass wir uns vergrössern wollen um länger dort zu bleiben. Für’s „Unterwegs-Sein“ perfekt, war LAYA auf Dauer als Wohnung doch recht eng. So haben wir uns nach einer Mietwohnung umgesehen. Dies gestaltete sich schon damals sehr aufwendig und steinig. Mietwohnungen waren Mangelware. Mit etwas Glück fanden wir kurz nach unserem Entschluss eine Doppelhaushälfte, etwas oberhalb des Flughafens, zentral in einem kleinen Dorf und ruhig gelegen. Der Mietvertrag war vorerst für ein Jahr abgeschlossen, genug für Menschen wie uns mit unserem kurzen Planungshorizont. Es wurde uns aber versichert, dass wir bis Ende 2018 bleiben können wenn es für beide Seiten passt. Die Vermieterin wusste bereits, dass sie dann aufgrund von Renovierungsarbeiten aus ihrer eigenen Wohnung ausziehen muss.

Anfangs 2018 war klar, dass wir noch bleiben können und der Mietvertrag fortgeführt wird. Allerdings wurde der Vermieterin die Wohnung einiges früher gekündigt, als ursprünglich angenommen. Sie hat sogar angeboten noch eine Weile bei einer Freundin unterzukommen, damit wir erst im Mai ausziehen müssen. Für sie hat es auch keine Alternative gegeben, als selbst wieder zurück in das Haus zu ziehen in dem wir wohnten.

Die Problematik war also wieder die Wohnraumfrage. Das war auch der Auslöser für unsere Entscheidung. Wir hätten in jedem Fall umziehen müssen. Zurück auf die Laya war keine Option, denn sie war bereits verkauft und in den guten Händen der neuen Eigner.

„Einfach“ eine neue Wohnung suchen wie in der Schweiz ist leider nicht so einfach. Es gibt schlicht keine Mietwohnungen auf Lanzarote. In diesem tollen, aktuellen Beitrag vom SWR wird die prekäre Situation gut dargestellt:

Die Realität ist leider genau so, wie im Film dokumentiert. Eine Problematik jagt die andere und der Rattenschwanz hört nicht auf, bis es bald einen grossen Knall geben wird.

Es gibt nicht nur keine Mietwohnungen. Wer eine der vielen zum Kauf stehenden Wohnungen und Häuser erwerben will, kann dies realistischerweise nur wenn er genug „Cash“ hat, um es ohne Finanzierung zu bezahlen. Die Banken vergeben praktisch keine Kredite. Und wenn, dann viel zu träge. Zwei Beispiele (von mehreren aus unserem Bekanntenkreis):

  • Die Wohnung einer einheimischen Familie, der Vater ist Polizist bei der Nationalpolizei, wurde von der Bank wegen ausstehenden Hypothekarzahlungen des Vermieters eingezogen und gekündigt. Sie hätten die Wohnung theoretisch kaufen können, aber eine Hypothek hätten sie (wenn überhaupt) erst nach dem geforderten Auszugstermin erhalten, ca. 3 Monate später.
  • Die Eltern einer befreundeten Familie haben sich getrennt und ihr grosses, tolles Haus mit Pool und direkter Meersicht verkauft. Viele Interessenten haben es angeschaut, der Preis war angemessen. Keine Bank wollte die Finanzierung stellen. Schlussendlich hat es ein Investor „bar“ gekauft und macht nun drei Ferienwohnungen daraus. Sehr schade.

Die Qual der Wahl

So hatten wir die Qual der Wahl. Unser Bestes geben und daran glauben ein neues Zuhause auf Lanzarote zu finden? Wir wussten das die Chance gering ist. Zu viele Einheimische die bereits kein Wohnraum finden. Ein langfristiges Wohnen in „Ferienhäusern“ kam für uns finanziell nicht in Frage.

Oder weg von der Insel? Die verbleibende Zeit war knapp. In wenigen Wochen galt es zu entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Teneriffa kam kurz in die engere Auswahl, da gab es noch Mietwohnungen. Die Frage ist nur: wie lange noch? Der im Film beschriebene Trend breitet sich wie ein Lauffeuer auf allen Inseln aus. Auf Lanzarote scheint es jedoch, zurzeit am schlimmsten zu sein.

Aus geschäftlicher Sicht wäre Mallorca auf den Balearen interessant. Auch vom Wetter her stimmig. Im Winter etwas kühler als auf den Kanaren, dafür haben dort die meisten Häuser eine Heizung und Isolation.
Doch auch da zeigte sich nach einigen Recherchen, dass die Situation mit Langzeitmieten unberechenbar ist. Viele Verträge werden auf den Frühling gekündigt (oder gar nur bis dann abgeschlossen), so dass die Wohnung über den Sommer an Touristen vermietet werden kann. Also lieber nicht vom Regen in die Traufe.

Eine Projektanfrage für Christian aus der Schweiz, genau zu diesem Zeitpunkt, lies uns auch dieses Ziel in Betracht ziehen.

Die Entscheidung heisst „Schweiz“

Wir haben uns schlussendlich, unabhängig von der Projektanfrage, für die Schweiz entschieden. Dies hatte mehrere Gründe.

Zum Einen wollten wir etwas mehr „Sicherheit“ bei der Wohnungssituation, um uns auf unsere Projekte zu fokussieren. Die Ungewissheit und die ständigen Umzüge sind nervenaufreibend und zeitaufwendig.

Zum Anderen haben wir uns auch auf einige Dinge in der Schweiz gefreut. Nun zeigt sich uns der direkte Vergleich zwischen „beiden Welten“. Auf die funktionierende Infrastruktur und die gut isolierten Wohnungen in der Schweiz, freuen wir uns hauptsächlich.

Auch auf Lanzarote wird es im Winter kühl. Normalerweise nicht unter 14 Grad. Diesen Winter war es kalt und äusserst regnerisch. Der „kälteste und schlechteste“ Winter seit über 30 Jahren, meinten die Einheimischen. Bei uns war es teilweise 11 Grad. Für Schweizer lächerlich. Wenn das aber über zwei Monate anhält, es fast täglich regnet wie in der Schweiz bei einem Sommergewitter und das Haus weder isoliert ist und noch eine Heizung hat, wird es sehr ungemütlich. Die Feuchtigkeit macht den Häusern gründlich zu schaffen. Der Regen hat sich innert Minuten den Weg durch das Mauerwerk gebahnt. Hallo Schimmel!
Ein Fehler der Bauweise des Hauses? Ja, natürlich. Aber diese sind, mit wenigen Ausnahmen, alle so gebaut. Ja, vielleicht sind wir „Weicheier“. Jeder darf es selbst ausprobieren und entscheiden. Wir haben es lieber gemütlich und sind froh unsere Zeit nicht fürs Trocknen von Wänden oder Aufputzen von Wasser, das quer durch das Wohnzimmer läuft, aufwenden zu müssen.

Weitere Gründe „pro Schweiz“ kamen noch dazu: Familie, Freunde, Geschäftsmöglichkeiten  für unsere Selbständigkeit und ein stabiles, trockenes Umfeld für die Geburt und ersten Lebensmonate unseres zweiten Kindes zu schaffen.

Abschied von den Kanaren und der Anfang in der Schweiz

Ende März 2018 wurde unser kompletter Haushalt auf Lanzarote abgeholt und nach Barcelona verschifft. Anfang April 2018 kamen wir als komplette Familie in der Schweiz wieder zusammen und „campieren“ in der neuen Wohnung. Denn der Container ist auch bis heute noch nicht, in Romanshorn am Bodensee, angekommen.

Wie üblich verliessen wir den alten Schauplatz mit einem weinenden und lachenden Auge. Die Inselzeit nehmen wir als sonnengefülltes erwärmendes Paket mit auf den neuen Lebensweg. Die in Spanien so wichtige Ausländeridentitätsnummer (N.I.E.) bleibt uns ein Leben lang erhalten. Für uns ist es nicht nötig der Vergangenheit nachzutrauern, sondern wir richten den Fokus nach vorne, denn es wartet noch viel Spannendes und Serreicherndes auf uns!

About the Author

2016 aus meinem bisherigen Leben als IT Projektleiter ausgestiegen und mit meiner Familie mit Segelschiff aufgebrochen um "mein Leben" zu finden (www.laya.ch). Seit 2017 ist Lanzarote unser Lebensmittelpunkt und wir kümmern uns nun um unsere eigenen Geschäfte.

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