Mit Wohnmobil >3.5t von der Schweiz nach Kroatien

1. April 2020

Lifestyle

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In diesem Beitrag teilen wir unsere Erfahrung als Schweizer Familie, die mit einem in Deutschland gemieteten Wohnmobil mit 3 Achsen und über 3.5t Gewicht, nach Kroatien gefahren ist.

Du erfährst, welche Zoll-Technischen Problemstellungen es gibt und wie die verschiedenen Maut-Systeme funktionieren. Hinweis: Stand der Informationen ist der Sommer 2019.

Wir waren mit diesem Niesmann Bischoff Arto 88 unterwegs. Er ist knapp 9 Meter lang und ca. 5t schwer.

Als Schweizer mit deutschem Mietfahrzeug durch die Schweiz

Wenn du als Schweizer in Deutschland ein Wohnmobil mietest und mit diesem durch die Schweiz fährst, kann das zu Zolltechnischen Problemen führen. Grundsätzlich müsstest du das Fahrzeug verzollen. Üblicherweise gewährt der Schweizer Zoll aber eine Frist von 10 Tagen dafür. D.h. du musst innerhalb dieser Zeit das Land wieder verlassen. Weil es ein Mietfahrzeug ist, wird das Ganze nicht einfacher.

Meine Empfehlung daher: Fahre über eine besetzte Zoll-Stelle und melde dich dort. Schildere deine Situation und was du vorhast. Fahre nicht einfach über die Grenze, das könnte bei einer (unwahrscheinlichen) Kontrolle unangenehm werden. Übrigens gilt dies auch für Fahrzeuge unter 3.5t.

Falls du als Deutscher resp. EU Staatsbürger mit einem Deutschen Fahrzeug über die Schweizer Grenze fährst, ist die Problematik meines Wissens nicht so gross. Bitte informiere dich jedoch frühzeitig darüber.

Maut für Wohnmobile >3.5t

In den meisten Ländern ist für Fahrten auf den Autobahnen eine Mautgebühr fällig. Das gilt auch für kleinere Wohnmobile unter 3.5t. Diese kommen mit den üblichen Vignetten aus, die wie bei PKWs, an die Windschutzscheibe geklebt werden.

Wohnmobile über 3.5 Tonnen Gesamtgewicht sind in den meisten Ländern mit LKWs gleichgestellt. Die Ausnahmen bilden Deutschland und die Schweiz.

Hier eine Übersicht, über die Regelungen und Kosten 2019 in den einzelnen Ländern:

Maut für Wohnmobile >3.5t in Deutschland

Deutschland ist eines der wenigen (wenn nicht das einzige) Länder in der EU, dass Wohnmobile von der Maut befreit. Sehr vorbildlich, liebe Nachbarn!

Maut für Wohnmobile >3.5t in der Schweiz

Zwar sind schwere Wohnmobile in der Schweiz Maut-Pflichtig, die Abgabe ist aber einfach und überschaubar. Auch für Mietfahrzeuge.

Wenn du ein Wohnmobil gemietet hast, empfehle ich bei der Zollstelle ein Form 15.91 auszufüllen. Für ein Wohnmobil bezahlst du einen pauschalen Tagespreis. Ein Tag kostet 3,25 CHF. Wenn du auf der Durchreise bist, oder einige Tage irgendwo stehst, empfehle ich die 10 Einzeltage. Du bezahlst 32,50 CHF und kannst die Tage, an denen du unterwegs bist, selbst auf dem Formular eintragen. Alternativ schau dir doch die App an. Damit ist es noch einfacher. Prüfe aber, ob das mit einem Mietfahrzeug auch funktioniert.

Form 15.91

Maut Geräte für Österreich, Slowenien, Kroatien

Maut Geräte für Österreich, Slowenien, Kroatien

Maut für Wohnmobile >3.5t in Österreich

Die Österreicher sind leider nicht so gute Vorbilder für pragmatische Lösungen für Wohnmobilisten. Die Maut ist sehr teuer. Allerdings ist die Abwicklung relativ einfach.

In Österreich benötigst du die GO-BOX. Diese kannst du an verschiedenen Verkaufsstellen beziehen und kostet ca. 5 EUR. Darunter sind viele Tankstellen im Grenzgebiet, sowie auf Raststätten.

Für die Anmeldung benötigst du deine Fahrzeugpapiere mit der Emissionskennzahl. Je nach EURO-Norm bekommst du bessere Preise. 

Die Einrichtung ist schnell erledigt. Konfiguriere auch die Anzahl Achsen deines Fahrzeuges korrekt.

Auf den österreichischen Autobahnen stehen alle paar Kilometer bögen mit Sensoren. Sobald du diese passierst, pipst das Gerät.

Die GO-BOX musst du "aufladen". D.h. es handelt sich um ein Prepaid System. Du kannst auch Bankeinzug beantragen, aber das lohnt sich nur für das eigene Fahrzeug. Denn die Box ist auf das Kennzeichen ausgestellt.

Wenn dein Guthaben langsam aufgebraucht ist, erkennst du das an einer akustischen Meldung. Dann solltest du bei der nächsten Möglichkeit rausfahren und nachladen.

Das schöne ist, speziell für Mieter, dass die Box wieder zurückgegeben werden kann. Das kannst du auch auf der Autobahn, bevor du diese verlässt. Übriges Guthaben wird der Karte gutgeschrieben, mit der du die Box aufgeladen hast. Eine Barauszahlung ist meines Wissens nicht möglich. Das hat bei mir bestens funktioniert. Ein paar Tage später, hatte ich das Geld zurück auf meinem Konto.

Maut für Wohnmobile >3.5t in Slowenien

Fährst du von Österreich auf direktem Weg durch Slowenien nach Kroatien, ist das nicht sehr weit. Eigentlich lohnt sich der Aufwand für die Maut-Geschichte gar nicht. Es gibt aber immer wieder auf der Strecke Ausfahrten für Kontrollen. Ob du es riskierst auf die Maut zu verzichten, ist dir überlassen.

Der Ablauf ist ähnlich wie in Österreich. Du bekommst eine kleine Box (viel kleiner als die Go-Box), die ebenfalls an der Windschutzscheibe angebracht wird. Diese kostet 10 EUR und muss ebenfalls aufgeladen werden. Du kannst über die DarsGO Homepage die Kosten gut berechnen. Wir haben 20 EUR geladen und sind perfekt hin und zurück gekommen. 

Die Box wird ebenfalls auf das Kennzeichen registriert. Ausserdem musste ich meine Privatadresse angeben, weil eine Registrierung auf die Vermieter-Firma nicht möglich war. Das ganze dauerte jedoch nur ein paar Minuten und konnte an einer Tankstelle auf einer Autobahn-Raststätte durchgeführt werden.

Bei der Rückfahrt kannst du die Box wieder zurückgeben. Allerdings bekommst du die 10 EUR nicht mehr zurück und eine Rückzahlung ist nur ab einem bestimmten, höheren Guthaben möglich. Daher besser gut berechnen.

Hinweis:
Das hat nicht mit der Maut direkt zu tun, aber an der Grenze Slowenien/Kroatien wird "kontrolliert". Daher bildet sich dort in der Ferienzeit eigentlich dauernd einen Stau von 1h oder mehr. 

Maut für Wohnmobile >3.5t in Kroatien

Wenn du durch die Grenzkontrolle durch bist und Richtung Zagreb fährst, wunderst du dich zuerst: Keine Sensor-Bogen. An der Mautstelle bekommst du einfach ein Ticket und fährst weiter.

Kurz vor Zagreb kommst du dann an eine Zahlstelle. Dort kannst du per Karte oder an einem Kassenhäuschen die Maut entrichten. 

Fährst du weiter nach Süden, funktioniert das genauso. In Kroatien, ob du es glaubst oder nicht, gibt es bei jeder Ausfahrt mehrere Zahlstellen. D. h. du fährst von der Autobahn ab und kommst dann auf einen mehrspurigen Platz mit Kassenhäuschen und Automaten. 

Du hast die Möglichkeit auch eine elektronische Box zu kaufen. Wir haben das (in Unwissenheit) gemacht und raten für gelegentliche Urlaubsfahrten eher ab. 

Das Problem: Die Beschaffung ist sehr umständlich. Du bekommst die Box (fast) nur vor der ersten Mautstelle beim Strassenverkehrsamt. Und die sprechen dort weder Englisch noch Deutsch. Zusätzlich musst du mind. 1h nach der Aktivierung warten, bevor sich die Schranke auch wirklich öffnet. Wir waren zu schnell und haben dafür herausgefunden, dass die Box gar nicht nötig gewesen wäre. Der Beschaffungsprozess hat uns mehrere Stunden (vornehmlich mit warten) gekostet.

Weitere Informationen zur Abwicklung der Maut (ENC) findest du hier. Auf dieser Webseite scheint man die ENC-Box auch bestellen zu können. Es handelt sich aber um keinen offiziellen Verkaufskanal.

Du kannst problemlos jeweils ein Ticket ziehen und bei der Ausfahrt bezahlen. Die Damen in den Kassenhäuschen achten oft auch gar nicht auf das Fahrzeug. So kann es gut sein, dass du nur den Tarif für unter 3.5t zahlst. 

Wenn du öfters nach Kroatien fährst, kann sich der einmalige Aufwand lohnen. Denn es ist durchaus praktisch, einfach durchfahren zu können. Ausserdem ist die Box nicht auf das Kennzeichen registriert, sondern kann in jedem entsprechenden Fahrzeug verwendet werden. Die Aufladung ist sogar online möglich. Von daher, ist es, wenn man die Box einmal hat, sehr praktisch.

Die Kosten

Hier die Kostenaufstellung unserer Reise bezüglich Maut:

Wir haben netto ca. 400.- EUR an Mautgebühren bezahlt. Etwas Guthaben auf der Box von Kroatien ist noch übrig. Diese haben wir behalten. 

Fazit

Wir sind in zwei Wochen von der Schweiz nach Kroatien und zurück gefahren. Unter Berücksichtigung der geringeren Höchstgeschwindigkeit (je nach Land 80-100 km/h) und dem Zeitverlust für den Bezug und die Rückgabe der Maut-Geräte, würde ich das nicht mehr machen. Speziell nicht, mit Kindern. Hast du mehr Zeit (oder keine Kinder dabei), durchaus machbar. Perfekt, wenn zwei oder mehr Personen den entsprechenden Fahrausweis haben. 

Willst du wirklich in zwei Wochen von der Schweiz (oder nördlicher davon) nach Kroatien, überlege, ob du nicht mit einem Wohnmobil unter 3.5t auskommst. Das ist einiges entspannter. 

Hast du dein eigenes Wohnmobil und musst die Maut-Geräte nicht zurückgeben, sieht die Sache auch noch mal anders aus. Dann kannst du diese auch behalten und sparst dir den Aufwand des Zurückgebens. 


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